Herbst 2012: Wir beginnen

Den folgenden Text - er beschreibt die Ideen und Gefühle, die ich zu Beginn des Projekts "miteinander Mitgefühl mobilisieren" hatte - schrieb ich im Sommer 2012, ich arbeitete mehrere Wochen daran. Heute, nachdem ich reifen durfte, sehe ich ein, dass ich damals zu jung und nicht vorbereitet war für so hochtrabende Ideen, wie sie im Text aufscheinen. Dem jugendlichen Elan fehlte noch Abgeklärtheit und Weitblick. Schöne Ergebnisse lassen sich nicht erzwingen, es braucht sehr viel, dass sie gelingen.

 

Ich möchte Euch darlegen, wie ich mir die kommenden Wochen, die herbstlichen Monate vorstelle. Gleich vorweg: Ich freue mich schon sehr auf diese Zeit, denn mit dem Ende der großen Sommerferien, wo ein neues Schuljahr eingeläutet wird, es wettermäßig abkühlt und rauer wird und die Menschen wieder näher zusammenrücken, kommt die Zeit im Jahr, die die besten Voraussetzungen für das Aufkommen von Bewegungen und Engagement bereithält. Nicht zufällig hatten die Studentenproteste im Auditorium Maximum in Wien vor drei Jahren sowie die Occupy-Bewegung vor einem Jahr im Herbst ihren Ausgangspunkt. Der Herbst lädt uns ein, nachdenklich zu werden und das bestehende Gefüge zu hinterfragen.
Meine Aufgabe sehe ich zuerst darin, die vielen Millionen Tiere, die in Österreich zur Nahrungsmittelgewinnung ausgebeutet werden, zum öffentlichen Thema zu machen. Ein Unrecht, und sei es noch so groß, hat keine Chance von der Bevölkerung als Unrecht erkannt und wahrgenommen zu werden, wenn es in der öffentlichen Berichterstattung und Meinungsbildung unerwähnt bleibt. Weil wir den direkten Bezug und das Wissen um die Herkunft unserer tierischen Nahrungsmittel verloren und in die Hände industrieller Großabnehmer gelegt haben, weil wir nicht sehen, nicht tagtäglich daran erinnert werden, mit welchem Leid Kühe, Schweine, Hühner, unsere Mitgeschöpfe in ihren abgeschotteten Parallelwelten zu kämpfen haben, bleiben wir in der Gewohnheit gefangen.
Ich sehne mich nach einem Startschuss zu gemeinsamem Engagement für das Wohlergehen der Tiere. Solange haben wir weg geschaut oder einfach nur keine Möglichkeit vorgefunden, uns Seite an Seite für die Welt der 'Nutztiere' einzusetzen. Lasst uns also von der Ohnmacht der Getrenntheit in die Kraft der Einheit finden, lasst uns in der Öffentlichkeit zusammenkommen und unser Anliegen kundtun! Es ist so schön und erhebend, miteinander für ein hohes Ideal einzustehen!


In den letzten Monaten war ich öfters mit einem Transparent in Wien unterwegs. „ICH WILL,DASS KEINE TIERE MEHR GESCHLACHTET WERDEN“ stand da in weißen Lettern auf hellblauem Hintergrund. Viele Menschen sind auf mich zugegangen, haben mir Mut zugesprochen und gefragt, ob ich einer Initiative angehöre, die sie unterstützen könnten. Ich war damals auf Eigeninitiative transparentieren, beseelt von dem Wunsch, meinen scheinbar vergessenen Geschwistern eine Stimme zu sein. Wenn man so will, war ich ein „einsamer Rufer in der Wüste“, wie es eine liebe Dame unlängst ausdrückte.


Heute bemühe ich mich um das Miteinander, ich will mit Euch hinaus in die Öffentlichkeit gehen und rufen, bewusst machen, Zeichen setzen. Zu diesem Zweck gibt es diese Internetseite, sie soll der Kontaktaufnahme, Vernetzung und Organisation dienen, damit wir zu großen und freudvollen Kundgebungen zusammenfinden und aktiv an der Neugestaltung unserer Gesellschaft wirken können. Es braucht uns Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung, es braucht uns mutige und bewusste Menschen quer durch das Land hinweg, um den Anfang zu machen und Seite an Seite eine Welle des Mitgefühls in Österreich hochgehen zu lassen. Aber wie machen wir den Anfang? Ich möge konkret werden, sagt Ihr, und die so blumig vorgetragene Idee an der Umsetzung schnuppern lassen.
Zu Befehl. Ich lasse eine Reihe von Transparenten drucken. Auf diesen  kommen berühmte Vegetarier der Menschheitsgeschichte zu Wort, Gandhi etwa, der sagte: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.“ Oder Vincent van Gogh: „Seit meinem Besuch im Schlachthaus von S. France habe ich aufgehört, Fleisch zu essen.“ Es gibt eine Fülle an Zitaten zum Thema Tierschutz und Vegetarismus, deren Schönheit und Klarheit die Herzen eines breiten Publikums erreichen und bereichern mögen.


Und jetzt kommt Ihr ins Spiel. Ich habe nun eine Handvoll Transparente, gespickt mit Zitaten, Aufrufen und Informationen, das ist großartig, aber ich habe nur zwei Hände, um damit zu arbeiten. Ich bin angewiesen auf und dankbar für jede hilfsbereite Hand, die ins Geschehen eingreift und ermöglicht, dass wir in richtig coolen Aktionen (und je mehr wir sind, desto größer wird unser Spielraum) zur Anhebung des gesellschaftlichen Bewusstseins beitragen. Bitte schreibt mir ein E-Mail oder ruft mich an, sucht den Kontakt zu mir, wenn Ihr miteinander Mitgefühl mobilisieren wollt.


Allen noch Unentschlossenen oder es sich in Warteposition gemütlich Machenden sei liebevoll gesagt, dass wir uns in den Nachrichten wiedersehen werden. Denn unsere ersten kleineren Kundgebungen werden auf große Resonanz treffen, und mehr und mehr Menschen werden unserem Beispiel folgen und mit uns (auf die Straße) gehen, weil sie nicht länger mit dem Leid, mit diesem unbeschreiblichen Leid unserer Mitlebewesen leben wollen. So mancher Mythos, so manche Lüge wird zerbröseln im Lichte öffentlicher Aufmerksamkeit; mit den Schattenseiten unserer Gesellschaft konfrontiert, wird es rumoren in der Bevölkerung und irgendwann ist dann der Punkt erreicht, wo es kein Halten mehr gibt und alle Dämme brechen. Alle Strukturen, die auf Gewalt und Geringschätzung von Leben fußen, sind auf Sand gebaut, das wird jetzt überdeutlich.

Ja, meine Lieben, so stelle ich mir das vor. Veränderung kann nur von innen kommen, von den Trägern einer Gesellschaft, und das sind Wir. Wir Bürgerinnen und Bürger müssen schon selbst aktiv werden und das Heft in die Hand nehmen, um Fehlentwicklungen umzukehren und Missstände aufzuheben. Das mag erst einmal Neuland für uns sein, da wir gewohnt sind, nur unseren eigenen privaten Mikrokosmos zu pflegen und darüber hinaus gehende Verantwortung abzuweisen oder abzuschieben. Doch gerade in der gelebten Gemeinschaft liegt unsere größte Stärke! Und wenn mehrere Menschen zusammenfinden und entschlossen und mit Begeisterung auf ein Ziel hinarbeiten, dann öffnen sich ungeahnte Möglichkeiten. Lasst uns das am eigenen Leib erfahren!

Euer Tom